2020 ist das Jahr der Elektroautos für den Massenmarkt. Mit dem e-Corsa, dem neuen Renault ZOE oder nicht zuletzt mit dem VW ID.3 sind alltagstaugliche E-Autos in einer erschwinglichen Preisgegend angekommen. Die Ladeinfrastruktur für eine Urlaubsfahrt ist inzwischen an den Autobahnen vorhanden. Um den Ausbau der Ladeinfrastruktur im privaten und geschäftlichen Bereich anzutreiben, hat die Landesregierung NRW zuletzt am 15.06.2020 die Förderungen für Wallboxen und Ladesäulen erhöht. Bis zum 30.11.2020 können die bisher höchsten Fördersätze noch beantragt werden.

Die Ladung von Elektroautos ist ein viel diskutiertes Thema und bis heute ist bei den öffentlichen Lademöglichkeiten kein einheitliches Bezahlsystem vorhanden. Statistisch betrachtet finden bisher etwa 80 % der Ladungen nicht im öffentlichen Raum statt, sondern etwa zu Hause oder bei der Arbeit. Das liegt unter anderem daran, dass bisher kein großflächiges öffentliches Lade-Netz etwa für Anwohner von Mehrfamiliengebäuden vorhanden ist. Daher ist es für das Ziel einer emissionsfreien Mobilität wichtig, für eine ausreichende elektrische Ladeinfrastruktur für PKW und gewerbliche Fahrzeuge zu sorgen und somit den Umstieg auf Elektroautos für alle Bevölkerungsschichten zu ermöglichen. Mit dem Förderprogramm „progres.nrw“ unterstützt NRW den Kauf und die Installation von Ladeeinrichtungen, etwa einer Wallbox (Wandinstallation) oder einer Ladesäule (Bodenbefestigung).

Die Voraussetzungen für die Ladeinfrastruktur

Bei der Entscheidung für die Art, Anzahl und Verortung der Ladeinfrastruktur haben verschiedene Faktoren eine besondere Relevanz. Nehmen wir an, ein mittelständische IT-Unternehmen möchte in eine nachhaltige Lade-Lösung für Elektrofahrzeuge investieren. Welche Fragen sollte sich das Unternehmen beantworten? Dazu meine Gedanken.

Zielgruppe

Wer soll zukünftig laden können? Da wären beispielsweise Kunden, die eigenen Firmenfahrzeuge oder die Privatfahrzeuge der Angestellten.

  • Hier entscheidet sich unter anderem, ob (zukünftig) eine Authentifizierung möglich sein soll, eine Abrechnung erfolgen muss und die Ladeinfrastruktur an ein Backend angebunden wird.

Elektrische & technische Voraussetzungen

Die Ladeinfrastruktur benötigt eine ausreichend dimensionierte elektrische Energieversorgung. Die wichtigste Größe ist hier die frei verfügbare Leistung. Folgende Punkte sind hierbei relevant und zu beachten.

  • Der Netzanschlussvertrag mit dem Netzbetreiber muss geprüft werden.
  • Daten über den Stromverbrauch müssen vorliegen oder erhoben werden.
  • Zustand der vorhanden Elektroinstallation muss bewertet werden.
  • Daraus kann abgeleitet werden, welche elektrischen Arbeiten notwendig sind und ob ein Lade- und Lastmanagement technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist.

Authentifizierung

Wie sollen sich Kunden an der Ladesäule anmelden können? Werden die Angestellten abgerechnet und müssen sich so an der Ladeinfrastruktur registrieren? Oder gibt es lediglich einen einfachen Schutzmechanismus, um Missbrauch zu verhindern?

Abrechnung

Bereits bei der Planung ist zu berücksichtigen, ob zukünftig die Nutzer abgerechnet werden müssen. Auch für die Lademöglichkeit des Firmenwagennutzers für die heimische Garage gibt es Lösungen. Mitarbeiter können beispielsweise über eine Schnittstelle des Ladeinfrastruktur-Backends mit den IT-Systemen des Unternehmens direkt über das Gehalt abgerechnet werden.

Förderfähige Bestandteile der Landesförderung „progres.nrw“

Die Förderrichtlinie “Emissionsarme Mobilität” deckt verschiedene sogenannte Fördergegenstände ab. Das bedeutet, nicht nur der Kauf der Ladeinfrastruktur wird vom Land NRW finanziell unterstützt. Folgende Leistungen können gefördert werden:

  • Umsetzungsberatung und -konzepte (Unternehmen und private Eigentümer von Gebäuden ≥ 4 Wohneinheiten
  • Ladeinfrastruktur für Unternehmen und alle Privatpersonen (eingeschlossen ist unter anderem auch die elektrische Installation, der Tiefbau, die Erweiterung des Netzanschlusses)
  • Batterieelektrische Fahrzeuge / Brennstoffzellenfahrzeuge für Unternehmen (> 2,3 t)
  • Elektro-Lastenfahrräder für Unternehmen
  • Konzepte, Studien und Analysen für Unternehmen

Erst den Antrag stellen, dann das Projekt beginnen

Der wichtigste Punkt, der bei der Landesförderung zu beachten ist, ist die Antragsstellung vor Beginn jeglicher Beauftragungen.

Soll etwa ein Beratungskonzept erstellt oder durch ein Elektrounternehmen Ladeinfrastruktur beschafft und installiert werden, ist jeweils im ersten Schritt ein Angebot einzuholen. Mit dem Angebot wird nun über das Online-Portal der Bezirksregierung Arnsberg der Antrag digital gestellt. Dem Antrag sind die geforderten Informationen und das Angebot beizufügen. Grundsätzlich ist nun abzuwarten, bis der Bewilligungsbescheid zugestellt wird, dies kann mehrere Wochen dauern.

Bei Ladeinfrastruktur-Projekten kann direkt nach Antragsstellung auf eigenes Risiko mit der Maßnahme begonnen werden.

Höhe und Besonderheiten der Förderung

Die Förderung läuft nach dem Prinzip, dass ein bestimmter Prozentsatz des jeweiligen Projektes gefördert wird, bis zu einer definierten Obergrenze. Bis zum 30. November 2020 liegt die Förderquote bei 60 % der Ausgaben.

Privatpersonen

  • 2.000 Euro für nicht öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur + 1.500 Euro für intelligente Ladeinfrastruktur – jeweils pro Ladepunkt.

Unternehmen

  • 2.000 Euro bei Wallboxen / 4.000 Euro bei Ladesäulen + 1.500 Euro für intelligente Ladeinfrastruktur – jeweils pro Ladepunkt und nicht öffentlich zugänglich.
  • 2.000 Euro für öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur pro Ladepunkt.

Für Kommunen

Die Förderquote liegt für Kommunen bei 80 %.

  • 2.600 Euro bei Wallboxen / 5.800 Euro bei Ladesäulen + 1.500 Euro für intelligente Ladeinfrastruktur – nicht öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur pro Ladepunkt.

Ein Rechenbeispiel: Unsere IT-Firma hat ein Angebot über die Installation einer Ladesäule mit zwei Ladepunkten erhalten.

Ertüchtigung der Elektroinstallation                2.800 €

Kosten der Ladeinfrastruktur                             3.200 €

Kosten der Installation & Inbetriebnahme      2.200 €

Summe                                                                  8.200 €

Da es sich bei dem Beispiel um eine Ladesäule mit zwei Ladepunkten handelt, liegt die Fördergrenze bei 8.000 €. Das Gesamtprojekt hat ein Volumen von 8.200 €, es werden daher die 60 % angesetzt und somit 4.920 € gefördert.

Wichtig: Nur für Anträge, die bis zum 30.11.2020 gestellt werden, gilt die erhöhte Förderquote von 60 %.

Wird bei der Installation der Ladeinfrastruktur eine Photovoltaikanlage oder ein Batteriespeicher installiert, gibt es einen Bonus: 500 € pro Ladepunkt in Kombination mit einer neu-installierten PV-Anlage, 200 € je Kilowattstunde in Kombination mit einem neuinstallierten Batteriespeicher.

Fazit

In NRW gibt es mit die höchsten Fördersätze für Ladeinfrastrukturprojekte von Privatpersonen und Unternehmen. Der Bund arbeitet laut dem Corona-Konjunkturpaket an eigenen Förderprogrammen für Ladeinfrastruktur – diese werden allerdings mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht über die derzeitigen Förderbeträge hinausgehen. Daher lohnt sich aktuell ein genauer Blick auf die NRW-Förderungen.

 Disclaimer: Alle Angaben ohne Gewähr und auf Basis eigener Recherche nach bestem Wissen und Gewissen. Bei diesem Blogartikel handelt es sich nicht um eine Förderberatung sondern um die persönlichen Erfahrungen und Meinungen des Autors.